Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Stade

Anne Behrends

Tel.: +49 (0)4141 12 1005

Das Frauennetzwerk

Unterstützung der Erzieherinnen: Gute Arbeit muss gut bezahlt werden!
Forderung des landkreisweiten Frauennetzwerks im Landkreis Stade zum Tarifstreit der Erzieherinnen 

Auf seiner jüngsten Sitzung des landkreisweiten Frauennetzwerks im Stader Rathaus informierten sich die über 40 anwesenden Frauen aus Verbänden, Vereinen und Institutionen über die aktuellen Entwicklungen des Streiks der Sozial- und Erziehungsberufe und über aktuelle Bildungsprojekte. Gemeinsam repräsentieren die Mitglieder des Frauennetzwerkes über 10.000 Frauen des Landkreises Stade. Das Netzwerk ließ sich außerdem zahlreiche Projekte vorstellen, die aktuell im Landkreis Stade anliefen, um Migranten und Migrantinnen gut zu integrieren. Gerade wenn Frauen mit ihrem Einkommen ihre eigene Existenz sichern, muss auch der Lohn stimmen! So ähnlich heißt es im Leitbild des Netzwerkes, dann leistet hier das Netzwerk seit Jahren engagierte und wertvolle Arbeit“, betonte Bürgermeisterin Silvia Nieber bei ihrer Begrüßung. Sie hoffe, dass gerade Frauen mit Migrationsgeschichte und asylsuchende Familien verbesserte Hilfen in Stade und im gesamten Landkreis vorfinden.

Eine familienfreundliche Stadt, ein attraktiver Arbeitsmarkt, der die Chancengleichheit für Frauen verbessert und Mädchen und Frauen für technische Berufe fit mache, seien heutzutage starke Standortfaktoren, so Bürgermeisterin Silvia Nieber in ihrer Begrüßung. Dazu gehört nach Auffassung des Netzwerkes eine Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes. Zu dieser aktuellen Thematik hatte das Netzwerk Erzieherin Maria Veit-Kappelt aus der Kita Hagen eingeladen, die über den aktuellen Sachstand berichtete. „Ein großer Erfolg des Streiks war bereits, dass die Problematik in diesen Berufsfeldern überhaupt erst einmal in der Gesellschaft wahrgenommen wurden. Es gehe um eine dringend notwendige Höherbewertung der Bereiche, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind “, so Veit-Kappelt.

Das Netzwerk stimmte in seiner Sitzung mehrheitlich für eine Unterstützung der Forderung nach einer Höherbewertung der Sozial-und Erziehungsdienstes.

Auch die Gleichstellungsbeauftragten wollen auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Gremien auf Land- und Bundesebene diese Position aktiv weitergeben. „Es ist konsequent, wenn sich beispielsweise die Aufgabenvielfalt grundlegend geändert hat, etwa um Bildungsprogramme, neue pädagogische Inhalte, Sprach -und Begabtenförderung, Inklusion und Integration, dass sich ihre Eingruppierung und Bezahlung entsprechend ändern muss“, so die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Stade.

Auch der demographische Wandel zwinge hier zum Umdenken: Attraktive Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen- und Sozialberufe schafften erst die Grundlage dafür, dass unsere Kinder, die Arbeitskräfte von morgen, einen guten Bildungsstart bekämen.

Großes Lob lösten anschließend die Referentinnen bei der Vorstellung verschiedenster aktueller Bildungsprojekte im Landkreis aus: Projektleiterin Dr. Maria Stegmann berichtete über das Projekt „Zweifach helfen“ Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge und Asylsuchende. Hier will das FNW sich verstärkt bemühen, auch Frauen für dies Projekt zu gewinnen. Vom Verein Zinkko stellte Gertrud Christophersen das Projekt „Vielfalt nutzen-Bildungsqualität steigern“ vor, in dem 30 mehrheimische Multiplikatorinnen zu Bildungsexpertinnen ausgebildet werden. Für die VHS Stade e.V. präsentierte Bärbel Schuldt die neue Anlaufstelle für Bildungsberatung und Dr. Frauke Ilse ein mit ESF-Mitteln gefördertes Projekt MIA zur Schulung von Migrantinnen mit einem kaufmännischen Abschluss für den hiesigen Arbeitsmarkt und dem Erwerb eines Zertifikates.

Foto: @ Hansestadt Stade

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Die Forderung des Frauennetzwerks nach einem Prostitutionsverbot in Deutschland (2014)

Die Forderung des Frauennetzwerks nach einem Prostitutionsverbot in Deutschland (2014)

Das Frauennetzwerk im Landkreis Stade richtete im Mai 2014 die Forderung
nach einem Prostitutionsverbot in Deutschland an die Bundesregierung.

1. das Verbot der Prostitution in Deutschland, 2. die Bestrafung der Freier und nicht der Prostituierten, (es sollte eine ähnliche Gesetzgebung wie in den europäischen Nachbarländern Frankreich und Schweden gelten.) 
3. einen umfangreichen Opfer- und Zeugenschutz für aussteigewillige Prostituierte, 
4. die Bereitstellung und Finanzierung flächendeckender Ausstiegsprogramme, die den Frauen neue berufliche Perspektiven ermöglichen,
5. eine geschlechtergerechte Gesellschaft, die die Würde aller Frauen und Männer gleichermaßen wertschätzt und in der Frauen und Männer selbstbestimmt und gewaltfrei – ohne Prostitution - leben können.

Wesentliche Gründe für das Prostitutionsverbot: 

Die Prostituierten arbeiten oft unter unmenschlichen Bedingungen. Zudem sind sie schutzlos der Macht der Zuhälter und Zuhälterinnen, aber auch der Freier ausgesetzt. Wenn Frauen sich und ihren Körper als Ware kaufen und gebrauchen lassen (müssen), verletzt dies nicht nur die Würde der Prostituierten, sondern die Würde aller Frauen und Männer. Die so genannten Flatrate-Bordelle sind nur ein Beispiel für die Auswüchse der Prostitution in Deutschland und der Verletzung der Würde von Frauen und Männern. Das Frauennetzwerk sieht hierin einen Verstoß gegen Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Würde des Menschen an erster Stelle setzt und sie für unantastbar erklärt. 
Wenn Männer den Körper der Frau zu beliebigen sexuellen Handlungen und zur eigenen Befriedigung kaufen, schreiben sie die ungleichen traditionellen Machtverhältnisse unter den Geschlechtern fort und verfestigen sie. Nach Artikel 3 des Grundgesetzes, der das Gleichstellungsgebot regelt, ist es die Pflicht des Staates, die Nachteile zwischen den Geschlechtern zu beseitigen.
Für Prostituierte, die aussteigen wollen, gibt es in Deutschland keinen ausreichenden Opfer- und Zeugenschutz. Außereuropäische Frauen haben keinen Anspruch auf Grundsicherung und werden sofort in ihre Heimatländer ausgewiesen. Dort droht ihnen die familiäre und gesellschaftliche Ausgrenzung. Dies bekanntlich auch bei Zwangsprostitution.
Prostituierte haben keine Arbeitsschutzbedingungen. Und es gibt keine kontrollierbaren Rahmenbedingungen für ihre Arbeit nach der derzeitigen Gesetzeslage. 
Die immer aggressivere Werbung für die Prostitution u.a. in Printmedien sowie Social Media wirkt sich jugendgefährdend aus, denn sie setzt auch in den Köpfen unserer Kinder und Jugendlichen ein fatales Bild vom „käuflichen Geschlecht“ fest.

 Die Gleichstellungsbeauftragten erhielten den Auftrag, dieses Votum an die hiesigen Bundestagsabgeordneten und die zuständigen Fraktionen im Bundestag, an die Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig,  an die Niedersächsische Sozialministerin, Cornelia Rundt,  zu senden - mit der Bitte um Unterstützung anlässlich der derzeitigen Novellierung des Prostitutionsgesetzes. Außerdem erhielten auch die Kreisverbände der Parteien und Wählergemeinschaften vor Ort das Schreiben des Frauennetzwerks.

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Das Leitbild des Frauennetzwerks im Landkreis Stade

Das Leitbild des Frauennetzwerks im Landkreis Stade

  • Mädchen und Frauen aller Kulturen und Nationen führen ihr Leben unabhängig von starren Geschlechterrollen,
    selbstbestimmt und individuell.
  • Frauen und Mädchen leben angst- und gewaltfrei.
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gesellschaftliche Realität.
  • Frauen sichern mit ihrem Einkommen ihre eigene Existenz.
  • Die Unterrepräsentanz von Frauen in Gremien der Politik, Wirtschaft und Finanzwelt
    ist abgebaut.
  • Es besteht Chancengleichheit für Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Das Frauennetzwerk

Das Frauennetzwerk im Landkreis Stade wurde 1992 von den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Stade und des Landkreises Stade gegründet. Seine Mitglieder sind über 70 Vertreterinnen von Einrichtungen, Gruppen, Vereinen, Initiativen, Parteien, Beratungsstellen, die sich 2 – 3 mal im Jahr auf Einladung der hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten zu einem Austausch über aktuelle frauenpolitische Themen und Projekte zur Chancengleichheit und Frauenförderung treffen. Mit dem gemeinsam erarbeiteten Leitbild soll eine erfolgreiche und nachhaltige Frauenpolitik im Landkreis Stade gesichert werden.

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