Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Stade

Anne Behrends

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Aktuelles

Forderungen des Frauennetzwerks zur Genitalverstümmelung
Fachkräfte sollten wissen, wie sie gefährdete junge Mädchen schützen können

In seiner Sitzung Ende November 2017 hat sich das Frauennetzwerk im Landkreis Stade (FNW) intensiv mit der weiblichen Genitalverstümmelung beschäftigt. Referentin war Heidemarie Grobe von Terre des Femmes Hamburg. Die Referentin führte aus, dass aktuellen Angaben von UNICEF zufolge weltweit mehr als 200 Millionen Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen sind. Tatsächlich dürften es eher doppelt so viele sein, denn es gibt nur für wenige Länder umfassende Studien.

Auch in Deutschland sind Mädchen dem Risiko ausgesetzt, heimlich an ihren Genitalien verstümmelt zu werden. Betroffene Mädchen sind oft Migrantinnen oder geflüchtete Mädchen aus verschiedenen Ländern, vor allem aus Ägypten, aus dem Sahara-Raum, aus dem Irak, aber auch aus dem Nahen Osten und Südostasien.

Da die Genitalverstümmelung in Deutschland unter Strafe steht, werden solche Eingriffe häufig im Verborgenen durchgeführt unter hygienisch unhaltbaren Zuständen, oder die Mädchen werden für den Eingriff in ihre Heimatländer geschickt – im Namen der Ehre ihrer Familie.

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) bezeichnet eine schwere Menschenrechtsverletzung, bei der Teile des weiblichen Genitals abgeschnitten oder verletzt werden. Dieser Eingriff stellt einen Verstoß gegen das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit dar. Zudem verstößt er gegen die Kinderrechte gemäß der Kinderrechtskonvention und gilt somit als Kindesmisshandlung. Viele Mädchen sterben an den Folgen des schrecklichen Eingriffs und wenn sie ihn überleben, leiden sie zumeist ein Leben lang unter den unzumutbaren Folgen.

Das Frauennetzwerk im Landkreis Stade möchte dazu beitragen, dass Mädchen im Landkreis Stade frei und unversehrt aufwachsen und Frauen, die diese Menschenrechtsverletzung erleben mussten, Unterstützung, Sensibilität und Interesse erfahren.

  • Die Mitglieder des FNW setzen sich dafür ein, dass Fachkräfte und Interessierte im Landkreis Stade so viel über dieses Thema wissen, dass gefährdete Mädchen geschützt werden können.
  • Das Frauennetzwerk gibt den Betroffenen eine Stimme und tritt für ihre Belange ein.
  • Das Frauennetzwerk sorgt dafür, dass Politiker*innen die Bedeutung dieses Themas für eine gerechte, gesunde und gleichgestellte Gesellschaft erkennen. Denn wo weibliche Genitalverstümmelung ignoriert und bagatellisiert wird, wird sie auch weiter praktiziert.
  • Um den Kinderschutz in Niedersachen zu verbessern, fordert das Frauennetzwerk eine Verlängerung der verbindlichen Gesundheitsuntersuchung (zurzeit 1 bis 6 Lebensjahr) sowie Aufklärung der Eltern darüber, dass Genitalverstümmelung in Deutschland zur Kindesmisshandlung zählt und strafbar ist.

 

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